Mikrofinanz – und wer trägt das Währungsrisiko?

Kredite an Kleinstunternehmerinnen und -firmen in Schwellenländern haben in den letzten Jahrzehnten viele Erfolgsgeschichten ermöglicht. Mikrofinanz betrachtet arme Menschen nicht bloss als Empfänger von Hilfe, sondern möchte unternehmerische Fähigkeiten wecken und unterstützen. Das Ziel ist Armutsbekämpfung, indem man jenen Menschen Kredit gewährt, welche für Banken (noch) uninteressant sind. Heute sind geschätzt über USD 200 Mrd. als Mikrokredite in Ländern wie Indien, Bangladesch, Kirgistan oder Peru investiert. Trotzdem haben in armen Ländern immer noch 80% der Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen.

Mikrokredite werden mehrheitlich in lokalen Währungen vergeben. Internationale Investoren bevorzugen oft Anlagen in USD anstatt in indonesische Rupie. Das zwingt lokale Mikrofinanzinstitute (MFI) häufig dazu, das Währungsrisiko selbst zu tragen oder teure Absicherungen (Hedges) zu finanzieren. Sie nehmen vergleichsweise grosse Darlehen in USD von Mikrofinanzfonds entgegen und leihen diese in kleinen Darlehen in der Lokalwährung aus. Leiht sich ein MFI Geld in USD und vergibt Kredite in Lokalwährung, droht bei einer Abwertung der lokalen Währung die Überschuldung des Instituts. Für Schweizer Investorinnen kann eine zusätzliche Hürde dazukommen: will man das USD – CHF – Risiko absichern, fallen zusätzlich hohe Absicherungskosten an.

Abhilfe schafft der Vision Microfinance Local Currency Fonds, mit welchem Invethos zusammenarbeitet. Dieser vergibt die Kredite an die MFI konsequent in deren Lokalwährung. Das Währungsrisiko liegt somit bei den Investoren. Zwei Faktoren führten aber in den letzten 10 Jahren erfreulicherweise zu einem überdurchschnittlichen finanziellen Ertrag: erstens liegt das Zinsniveau in Lokalwährungen aufgrund der höheren Inflation deutlich höher, was zu höheren Erträgen führt. Zweitens konnten in der Vergangenheit durch gute Verteilung auf diverse Länder bzw. Lokalwährungen (regionale Diversifikation) die Schwankungen zu «harten» Währungen wie USD oder CHF so weit reduziert werden, dass höhere Erträge resultierten:

JahrPerformance Local Currency Fonds in USDPerformance Local Currency Fonds in CHF
20163.45%Lancierung erst 2018
20178.75%Lancierung erst 2018
20182.84%-0.53%
20198.75%5.00%
20203.56%1.60%
20213.40%2.41%
20225.08%2.60%
202311.58%7.01%
20242.63%-2.16%
20258.03%2.77%

Die durchschnittliche Jahresperformance seit Lancierung des Fonds liegt in USD bei 4.41% und in CHF bei 2.31%.

Der Lokalwährungsfonds ist ein «win – win», weil auch die soziale Wirkung vor Ort gut ausfällt: Während bei grossen Mikrofinanzfonds, welche primär in USD leihen, der Anteil der ländlichen Kreditnehmer bei 37% lag, war er im Lokalwährungsfonds mit 49% deutlich höher. Da die Armut auf dem Land regional wesentlich höher ist, ist diese Zahl relevant. Ebenso lag der Anteil der Frauen, welche Kredite erhielten, im Lokalwährungsfonds mit 49% höher als mit 44% im Hartwährungsfonds. Und die durchschnittlichen Darlehen an die Mikrounternehmerinnen waren mit USD 5'000 rund 25% kleiner - ein Indiz dafür, dass die Hilfe tatsächlich an der Basis ankommt,

Zusammengefasst: es hat sich in den vergangenen Jahren sowohl aus finanzieller als auch aus sozialer Sicht gelohnt, in vermeintlich risikoreichere Lokalwährungen zu investieren.